Lea Ypi: Aufrecht. Überleben im Zeitalter der Extreme.

Aus dem Englischen von Eva Bonné. Suhrkamp Verlag, Berlin 2025. 390 S., 28 Euro. Konkret Buch des Monats 1/2026

Aus Lea Ypis Memoir Frei (2021) über ihr Aufwachsen im kommunistischen Albanien wissen wir, dass ihre Eltern als »Intellektuelle« verrufen waren und Schwierigkeiten mit ihrer »Biografie« hatten. Ihre geliebte Großmutter Leman, genannt Nini, prägte Ypis moralischen Kompass. Im neuen Buch der Professorin für politische Theorie an der London School of Economics rückt Lemans Geschichte in den Mittelpunkt. Der englische Originaltitel – Indignity. A Life Reimagined – signalisiert eine Mischung aus Familiengeschichte, philosophischer Betrachtung und literarischer Neuerfindung. Beide Bücher problematisieren die vielbeschworenen
westlichen Werte »Freiheit« und »Würde« und sind bevölkert mit Figuren, die sie auf unterschiedliche Weise verkörpern.
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Joe Dunthorne: Kinder des Radiums.

Auf den Spuren meiner jüdischen Familie. Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Berlin Verlag 2025. 256 Seiten, 24 Euro.


„Meine Großmutter wuchs damit auf, dass sie sich ihre Zähne mit radioaktiver Zahnpasta putzte.“ Der erste Satz von Joe Dunthornes Memoir Auf den Spuren meiner jüdischen Familie setzt den lakonischen Grundton des Buches und weckt neben Neugier vielfältige Assoziationen und Nachdenklichkeit – wie das ganze Buch.

Buch des Monats. Konkret 8/2025.

„Der Führer ist tot“. Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin erinnert an Frauen im Kampf gegen die Nazidiktatur.

In Berliner U-Bahnhöfen, an Litfaßsäulen und Bushaltestellen sind zur Zeit großformatige Porträtaufnahmen von Frauen plakatiert, sogar an der Fassade des ehemaligen Bendlerblocks in der Stauffenbergstraße, wo die Gedenkstätte Deutscher Widerstand beheimatet ist: Frauen, die Widerstand gegen das Naziregime geleistet haben. Sie wurden bisher viel zu wenig bekannt und gewürdigt. Das fand 2019 auch der Bundestag und finanzierte seit 2020 dieses Projekt. Mehr als 5.000 Frauen hat das Forscherinnenteam inzwischen ermittelt, etwa 600 wurden wegen ihrer Taten zu Haftstrafen verurteilt, etwa 300 hingerichtet. Die Ausstellung stellt 32 von ihnen vor und beleuchtet ihre Herkunft aus verschiedenen Milieus.

Meine Besprechung der Ausstellung „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin.

»Der Tod ist ständig unter uns«

bis 10. März 2024

Die Ausstellung in der Berliner Topographie des Terrors – zuerst im Oktober 2022 im Rigaer Okkupationsmuseum zu sehen – zeigt jetzt Riga, ehemals Zentrum jüdischen Lebens im Baltikum, als einen der zentralen Orte der Vernichtung in Osteuropa. Viele Fotos, Zitate aus Briefen und persönlichen Berichten legen Zeugnis ab von diesen Verbrechen und ihren Folgen nach 1945.

„Der Tod ist ständig unter uns“