Lea Ypi: Aufrecht. Überleben im Zeitalter der Extreme.

Aus dem Englischen von Eva Bonné. Suhrkamp Verlag, Berlin 2025. 390 S., 28 Euro. Konkret Buch des Monats 1/2026

Aus Lea Ypis Memoir Frei (2021) über ihr Aufwachsen im kommunistischen Albanien wissen wir, dass ihre Eltern als »Intellektuelle« verrufen waren und Schwierigkeiten mit ihrer »Biografie« hatten. Ihre geliebte Großmutter Leman, genannt Nini, prägte Ypis moralischen Kompass. Im neuen Buch der Professorin für politische Theorie an der London School of Economics rückt Lemans Geschichte in den Mittelpunkt. Der englische Originaltitel – Indignity. A Life Reimagined – signalisiert eine Mischung aus Familiengeschichte, philosophischer Betrachtung und literarischer Neuerfindung. Beide Bücher problematisieren die vielbeschworenen
westlichen Werte »Freiheit« und »Würde« und sind bevölkert mit Figuren, die sie auf unterschiedliche Weise verkörpern.
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»Willkommen im Zeitalter der Ermüdung«.

Kommt nicht recht aus dem Quark: Mit Egon Erwin Kisch auf Verbrecherjagd

Mit Angst und Sorge erwartet man im Mai 1910 in Prag die Wiederkehr des Halleyschen Kometen. Die Stimmung in der Stadt ist gedrückt, bei manchen panisch. Das machen sich »finstere Gestalten« zunutze. Mehrere Männer der gehobenen Gesellschaft werden tot aufgefunden. Alle haben ein leeres Glasfläschchen in der Tasche. Selbstmord? Mord? Eine Verschwörung?

»Die Schatten von Prag. Kischs erster Fall«, der Buchtitel zeigt an, dass hier eine neue Krimireihe – der zweite Fall ist bereits unter dem Titel »Die Feuer von Prag« erschienen – etabliert wird. Protagonist ist die Stadt, Egon Erwin Kisch der Ermittler. Eine glänzende Idee, wie wird sie eingelöst?

Sag Stalin zu ihm

Lila Eule. Ein autobiographischer Ost-West-Bremen-Berlin-Sex-and-Drugs-and-Rock-’n’-Roll-Roman vom ehemaligen Spiegel-Mann Cordt Schnibben. Junge Welt, 9. Juli 2025.

Der Anruf kam kurz nach den »Tagesthemen«. »Carl, flieg morgen früh nach Berlin … fahr rüber in den Osten und bring uns die beste Story über den Mauerfall.« Spiegel-Redakteur Cordt Schnibben, äh, Spiegel-Redakteur Carl Lederer, Schnibbens Romanheld und Alter ego, fährt hin. »Seit die Leute da drüben zu Zehntausenden auf den Straßen marschieren, zieht Mara mit Spruchbändern durch meinen Kopf«, sinniert er. Er will Mara, die »Frau, die der Sozialismus (ihm) nicht gegönnt hat«, wiedersehen. Außerdem »kriecht« aus dem Staub der zusammenfallenden Mauer die Frage: Warum war ich mal Kommunist? Warum bin ich es nicht mehr?