Joe Sacco: Indien – Öl ins Feuer.

Die neue Comicreportage von Joe Sacco, die am Beispiel Indiens erzählt, welche politische Sprengkraft böswilliges Geraune entwickeln kann.
Aus dem Englischen von Christoph Haas. Reprodukt, Berlin 2025.

Indien rückt zunehmend in den Fokus der Weltpolitik: als aufstrebende Großmacht und vermeintlich demokratisches Gegengewicht zu China. Joe Saccos neues Buch kommt da gerade recht. Es richtet den Blick auf das Innere des Landes – auf Spannungen, Konflikte und die zerstörerische Macht von Gerüchten.

Weiterlesen in Konkret 3/2026.

Claude Lanzmann. Die Aufzeichnungen

Die Sache. Am 27. November 2025 wäre der Autor und Filmemacher Claude Lanzmann 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass dokumentiert eine Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin mit bisher unveröffentlichten Tonaufzeichnungen den Entstehungsprozess seines epochalen Films „Shoah“.

Es gibt Tage, an denen ich denke, ich bin nicht besessen genug«, antwortete Claude Lanzmann auf die Frage der Überlebenden Maria Bobrow, warum er den Film »Shoah« mache, ob er davon besessen sei. Er war besessen genug, um dieses epochemachende und radikale Kunstwerk zu schaffen. Wie intensiv es ihn beschäftigte und welch geduldige Vorbereitung es erforderte, lässt sich jetzt im Jüdischen Museum Berlin (JMB) nachvollziehen….
Weiterlesen in Konkret 1/2026.

Bis zum 12. April 2026.

Lea Ypi: Aufrecht. Überleben im Zeitalter der Extreme.

Aus dem Englischen von Eva Bonné. Suhrkamp Verlag, Berlin 2025. 390 S., 28 Euro. Konkret Buch des Monats 1/2026

Aus Lea Ypis Memoir Frei (2021) über ihr Aufwachsen im kommunistischen Albanien wissen wir, dass ihre Eltern als »Intellektuelle« verrufen waren und Schwierigkeiten mit ihrer »Biografie« hatten. Ihre geliebte Großmutter Leman, genannt Nini, prägte Ypis moralischen Kompass. Im neuen Buch der Professorin für politische Theorie an der London School of Economics rückt Lemans Geschichte in den Mittelpunkt. Der englische Originaltitel – Indignity. A Life Reimagined – signalisiert eine Mischung aus Familiengeschichte, philosophischer Betrachtung und literarischer Neuerfindung. Beide Bücher problematisieren die vielbeschworenen
westlichen Werte »Freiheit« und »Würde« und sind bevölkert mit Figuren, die sie auf unterschiedliche Weise verkörpern.
Weiter lesen in Konkret 1/2026

»Willkommen im Zeitalter der Ermüdung«.

Kommt nicht recht aus dem Quark: Mit Egon Erwin Kisch auf Verbrecherjagd

Mit Angst und Sorge erwartet man im Mai 1910 in Prag die Wiederkehr des Halleyschen Kometen. Die Stimmung in der Stadt ist gedrückt, bei manchen panisch. Das machen sich »finstere Gestalten« zunutze. Mehrere Männer der gehobenen Gesellschaft werden tot aufgefunden. Alle haben ein leeres Glasfläschchen in der Tasche. Selbstmord? Mord? Eine Verschwörung?

»Die Schatten von Prag. Kischs erster Fall«, der Buchtitel zeigt an, dass hier eine neue Krimireihe – der zweite Fall ist bereits unter dem Titel »Die Feuer von Prag« erschienen – etabliert wird. Protagonist ist die Stadt, Egon Erwin Kisch der Ermittler. Eine glänzende Idee, wie wird sie eingelöst?

Die Seiten gewechselt

Ein Wehrmachtssoldat aus Bremen im italienischen Widerstand – eine Spurensuche von Ulrike Petzold

Rudolf Jacobs´ Geschichte bezeichnet der italienische Historiker Carlo Gentile als „Mythos“. Wie es wirklich war, wird sich wohl nicht mehr aufklären lassen.

Buchbesprechung Junge Welt, 16. Oktober 2025.

Die Ausstellung »On the Roof of Himmler’s Guesthouse« in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz

»Ein wunderschönes, palastartiges Anwesen« – so beschreibt Fritz Traugott am 3. Juli 1945 in einem Brief an seine Frau Lucia den neuen Standort seiner Einheit in Berlin. Zuvor hatte das Vorauskommando der U. S. Army, dem der Sergeant angehörte, in Zelten im Grunewald kampiert. Dann requirierten sie die Villa – heute bekannt als Nazitäterort bürokratischen Schreckens. Ein bisher unbekanntes Foto zeigt das efeubewachsene Gebäude mit der US-Flagge auf dem Dach: »On the Roof of Himmler’s Guesthouse«.

Joe Dunthorne: Kinder des Radiums.

Auf den Spuren meiner jüdischen Familie. Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Berlin Verlag 2025. 256 Seiten, 24 Euro.


„Meine Großmutter wuchs damit auf, dass sie sich ihre Zähne mit radioaktiver Zahnpasta putzte.“ Der erste Satz von Joe Dunthornes Memoir Auf den Spuren meiner jüdischen Familie setzt den lakonischen Grundton des Buches und weckt neben Neugier vielfältige Assoziationen und Nachdenklichkeit – wie das ganze Buch.

Buch des Monats. Konkret 8/2025.

Sag Stalin zu ihm

Lila Eule. Ein autobiographischer Ost-West-Bremen-Berlin-Sex-and-Drugs-and-Rock-’n’-Roll-Roman vom ehemaligen Spiegel-Mann Cordt Schnibben. Junge Welt, 9. Juli 2025.

Der Anruf kam kurz nach den »Tagesthemen«. »Carl, flieg morgen früh nach Berlin … fahr rüber in den Osten und bring uns die beste Story über den Mauerfall.« Spiegel-Redakteur Cordt Schnibben, äh, Spiegel-Redakteur Carl Lederer, Schnibbens Romanheld und Alter ego, fährt hin. »Seit die Leute da drüben zu Zehntausenden auf den Straßen marschieren, zieht Mara mit Spruchbändern durch meinen Kopf«, sinniert er. Er will Mara, die »Frau, die der Sozialismus (ihm) nicht gegönnt hat«, wiedersehen. Außerdem »kriecht« aus dem Staub der zusammenfallenden Mauer die Frage: Warum war ich mal Kommunist? Warum bin ich es nicht mehr?