Joe Dunthorne: Kinder des Radiums.

Auf den Spuren meiner jüdischen Familie. Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Berlin Verlag 2025. 256 Seiten, 24 Euro.


„Meine Großmutter wuchs damit auf, dass sie sich ihre Zähne mit radioaktiver Zahnpasta putzte.“ Der erste Satz von Joe Dunthornes Memoir Auf den Spuren meiner jüdischen Familie setzt den lakonischen Grundton des Buches und weckt neben Neugier vielfältige Assoziationen und Nachdenklichkeit – wie das ganze Buch.

Buch des Monats. Konkret 8/2025.

Sag Stalin zu ihm

Lila Eule. Ein autobiographischer Ost-West-Bremen-Berlin-Sex-and-Drugs-and-Rock-’n’-Roll-Roman vom ehemaligen Spiegel-Mann Cordt Schnibben. Junge Welt, 9. Juli 2025.

Der Anruf kam kurz nach den »Tagesthemen«. »Carl, flieg morgen früh nach Berlin … fahr rüber in den Osten und bring uns die beste Story über den Mauerfall.« Spiegel-Redakteur Cordt Schnibben, äh, Spiegel-Redakteur Carl Lederer, Schnibbens Romanheld und Alter ego, fährt hin. »Seit die Leute da drüben zu Zehntausenden auf den Straßen marschieren, zieht Mara mit Spruchbändern durch meinen Kopf«, sinniert er. Er will Mara, die »Frau, die der Sozialismus (ihm) nicht gegönnt hat«, wiedersehen. Außerdem »kriecht« aus dem Staub der zusammenfallenden Mauer die Frage: Warum war ich mal Kommunist? Warum bin ich es nicht mehr?

Ein Amerikaner in Berlin

Verliebt in die Stadt: Eine Ausstellung über das Frühwerk des Fotografen Will McBride im Charlottenburger Bröhan-Museum, verlängert bis zum 20. Juli 2025.

Die junge Frau in Jeans und engem Pulli – aufgenommen von der Seite – blickt ruhig und selbstbewusst in die Kamera. Die Arme hat sie um ihren Bauch gelegt, der Reißverschluss der Jeans steht offen. Kaum vorstellbar, dass dieses Foto einen Skandal hervorrief. Aber 1960 wollte die Hamburger Jugendbehörde seine Verbreitung verbieten lassen. Das »hochschwangere Mädchen« in »aufreizende(r) Pose und Kleidung« verletze »eindeutig das natürliche Schamgefühl junger Menschen«.

»Erinnerungspolitisch gibt es noch viel zu tun«

Eine längst überfällige Ausstellung in Berlin widmet sich verleugneten Opfern der Nazidiktatur. Ein Gespräch mit Barbara Stellbrink-Kesy

Barbara Stellbrink-Kesy ist Kunsttherapeutin und Autorin von »Unerhörte Geschichte: Frei – aber verpönt« (Verlag am Turm, 2020), einer Biographie über ihre Großtante, die Opfer der Medizinverbrechen der Nazis wurde. Stellbrink-Kesy ist Gründungsmitglied des »Verbands für das Erinnern an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus« (Vevon).